Das Stoffwindel-Experiment – unser Alltag mit Stoffies

Warum Stoffwindeln

Bevor wir uns für Stoffwindeln entschieden hatten, lag der reine Windelmüll bei ca. eineinhalb 20 Liter Müllsäcken die Woche. Das fand ich persönlich wahnsinnig viel, vor allem, weil mich unser Müll schon vor Wurmis Geburt wahnsinnig störte.

Außerdem kam die Idee nicht aus heiterem Himmel: Ich hatte mich schon im Sommer über Alternativen zu Wegwerfwindeln informiert und hatte festgestellt, dass der Stoffwindelmarkt inzwischen wirklich vielfältige und super schöne Modelle bereithielt und weit entfernt von den Mullwindeln, die meine Großeltern gerne verfluchten und noch im Keller ausgekocht werden mussten, war.

Falsche Vorurteile

Das häufigste Vorurteil mit dem Stoffe-Eltern konfrontiert werden, ist vermutlich der Hygienefaktor von Stoffwindeln. „Das versaut dir doch die Waschmaschine!“, „Das kann doch unmöglich hygienisch sein, wenn das Kind so lang im Nassen liegt!“, „Das ist doch total eklig, wenn die Maus dann schietert…“. Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich mir in jedem Fall schönere Dinge vorstellen kann, als volle Windeln zu wechseln. Das hat aber nichts mit Stoff- oder Wegwerfwindeln zu tun, wir hatten nahezu gleich viele Unfälle bei beiden Windelvarianten und eine volle Pampers ist nicht weniger eklig als eine Stoffie.

Kommen wir zum Hygienefaktor der Windeln: Egal ob Wegwerfwindel oder Stoffie – Kinder sollten immer zeitnah nach dem Geschäft gewickelt werden. Moderne Wegwerfwindeln haben zwar einen Saugkern damit sich alles trocken anfühlt, allerdings schützt dieser auch nicht vor der Wickelpflicht. Wir nutzen Fleece-Liner gegen die Nässe, dazu schreibe ich später mehr.

Zum Thema „dreckige Waschmaschine“ lässt sich folgendes sagen: Die benutzten Einlagen lagern wir bis zu fünf Tagen in einem atmungsaktiven Wäschesack aus PUL, der mit den Einlagen in die 60° Wäsche kommt. Gröbere Flecken behandele ich mit Gallseife, allerdings sind das nur Verfärbungen und hat nichts mit der Hygiene zu tun. Wer jetzt einwirft, dass durch die dreckigen Windeln auch die Waschmaschine siffig wird, kann ich nur entgegensetzen, dass jede Waschmaschine regelmäßig auch mal bei 90° laufen sollte um grundgereinigt zu werden.

Tatsächlich wurde ich auch häufiger gefragt, ob nicht der Wasserverbrauch bei Stoffwindeln immens sein müsse. Praktisch waschen wir jetzt eine 60° Wäsche mehr als mit Wegwerfwindeln, was aus meiner Sicht eine gute Bilanz ist.

Aller Anfang ist schwer

Für uns kam aus verschiedenen Gründen von Anfang an nur das All in 3 System der Windelmanufaktur in Frage. Zum Einen finden wir das Design wunderschön. Zum Anderen wollte ich ein System nutzen, was leicht in der Handhabung ist und gleichzeitig ohne Plastik am Kind auskommt. All das haben wir bei der Windelmanufaktur gefunden. Da viele verschiedene Materialien für die Windeln benutzt werden und miteinander kombinierbar sind, konnten wir uns unsere Windeln so zusammenstellen, wie wir sie wollten. Ai3-Systeme bestehen aus einer Außenwindel, einer Innenwindel, die mit Snaps an der Außenwindel befestigt wird und den Saugeinlagen.

Wir haben uns für Außenwindeln aus verschiedenen Stoffen entschieden: Tagsüber nutzen wir Modelle aus Baumwolle mit Baumwollflanell oder -Sherpa als Innenfutter. Nachts haben wir eine Außenwindel die komplett aus Schurwolle besteht. Die Innenwindeln, für die wir uns entschieden haben, bestehen alle aus Schurwolle die mit Lanolin nach dem Waschen gefettet wird.

Obwohl ich behaupten würde, dass das System der Windelmanufaktur im großen und ganzen simpel und selbsterklärend ist, blieben am Anfang einige „Piescher-Unfälle“ leider nicht aus. Wie ich aber schon sagte, hatten wir mindestens genauso viele Unfälle mit Pampers, Wurmi hat uns was das angeht nicht wirklich geschont. Es lohnt sich aber, den Windeln eine Chance zu geben. Denn: Übung macht den Meister und Geduld zahlt sich aus!

Neben der besseren Ökobilanz riechen sie einfach so viel besser und bringen nicht den merkwürdigen Eigengeruch der Wegwerfwindeln mit. Außerdem stehen die Wegwerfwindeln immer wieder im Verdacht stark mit Schadstoffen belastet zu sein. Dieses Risiko kann man mit Stoffies ebenfalls super umgehen.

Die Handhabung

Die Innenwindeln

Die Wollinnenwindeln bringen einen Nachteil mit sich: Sie müssen nach jedem Waschen neu gefettet werden und bringen damit einen größeren Arbeitsaufwand mit sich. Dieser lohnt sich meiner Meinung nach aber absolut! Nach dem Waschen kommen die Windeln noch nass in ein Wasserbad mit lauwarmem Wasser und einer Wollfettlösung. Die stelle ich selbst her:

  • 1 TL reines Lanolin pro Windel
  • gekochtes Wasser
  • ein paar Tropfen Spüli oder Babyshampoo

Die Zutaten werden vermischt bis sich das Lanolin vollständig aufgelöst hat und eine weißlich milchige Lösung entsteht. Wenn noch ein gelblicher Fettfilm zu sehen ist, noch etwas Spüli hinzufügen.

Die Windeln bleiben am besten über Nacht in dem Bad, danach schleudere ich sie einmal in der Maschine bei maximal 800 Umdrehungen und trockne sie liegend auf einem Handtuch. Urin wird durch die Wolle vollständig neutralisiert, kleinere Flecken lassen sich einfach rauswaschen, nur größere Flecken müssen ausgebürstet werden und die Windeln dann erneut gewaschen werden.

 

Die Nachtwindeln haben innen Schurwolle, die wie die Innenwindeln gefettet wird.

Ich empfinde diesen Aufwand als überschaubar, es gibt auch deutlich pflegeleichtere Varianten, z.B. Innenwindeln aus PUL.

Die Einlagen

Wir benutzen verschiedene Einlagenkombinationen. Tagsüber wechseln wir zwischen Bambusboostern und Hanffleeceeinlagen als unterste Schicht. Darüber kommen in jedem Fall gefaltete Ikea Waschlappen und ein Staydry-Fleeceliner. Der ersetzt natürlich nicht den chemischen Saugkern der Wegwerfwindeln, führt aber trotzdem zu einem deutlich trockenerem Gefühl für das Baby.

Unsere Standarteinlagen (von links): Hanffleece, Bambusprefold und Bambusbooster.

Nachts benutzen wir eine stärkere Einlagenkombination, die aus einem Bambusbooster, einer Bambusprefold und einem Liner besteht. Diese Kombi hält bei uns mindestens 8 Stunden und wir müssen nicht Zwischenwickeln. Allerdings geht das natürlich nur, wenn das Baby nachts zuverlässig nur pullert.

Die Einlagen für unsere Nachtwindel: Staydry Fleeceliner, Bambusprefold und Bambusbooster.
Die Einlagen für die Tagwindel Variante 1: Staydry Fleeceliner, Ikea-Waschlappen und Bambusbooster.
Variante 2: Staydry Fleeceliner, Ikea-Waschlappen und Hanffleece.

Eine Zwischenbilanz

Ich muss sagen, dass ich sehr zufrieden bin mit unserer Entscheidung in Stoffwindeln zu investieren. Finanziell war es natürlich ein relativ hoher Posten, andererseits war dies eine lohnende Investition: Wir haben einmal Windeln für Wurmi gekauft, die weniger gekostet haben als alle Windeln seiner Wickelzeit. Außerdem können wir sie für alle kommenden Kinder weiterverwenden und sie verkaufen, wenn wir sie nicht mehr brauchen. Das ist meine Zwischenbilanz nach drei Monaten wickeln mit Stoff und ich kann jedem nur empfehlen diesen Schritt zu gehen. Der Mehraufwand lohnt sich definitiv.

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